"Der Brandstifter". Martin Walsers Rede in der Frankfurter Paulskirche [1998]
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Wann
Sonntag, den
26. April 2020
11:00 Uhr
Preise
ab 0,00 EUR
Wo
Urania - Kleist-Saal
An der Urania 17
10787 Berlin
Info
Ermäßigte Eintrittspreise: Rentner, Pensionäre, Schwerbehinderte (Karten für die Begleitpersonen erhalten Sie nur in der Urania), Schüler, Studenten, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger sowie Mitglieder kultureller und anderer Organisationen mit denen eine entsprechende Vereinbarung getroffen wurde.
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"Der Brandstifter". Martin Walsers Rede in der Frankfurter Paulskirche [1998]
"Der Brandstifter". Martin Walsers Rede in der Frankfurter Paulskirche [1998]
Filmausschnitte: HR, rbb

Die Debatte um Martin Walser wurde durch eine Rede ausgelöst, in der der Schriftsteller 1998 das öffentliche Gedenken an den Holocaust als »Dauerpräsentation unserer Schande« angegriffen hatte. Im Streit mit Ignatz Bubis, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, der den Dichter für sein Lob des »Wegsehens« und »Verdrängens« als »Brandstifter« bezeichnet hatte, präsentierte Walser sich als Sprecher der »schweigenden Mehrheit« und Vertreter eines neuen Antisemitismus. Der Kern seiner Rede war die Feststellung, die Deutschen seien wieder »ein normales Volk«, das keiner staatlich verordneten »Resozialisierung« wegen vergangener Verbrechen bedürfe.

Die Vortrags- und Filmreihe:

Der Griff Nazideutschlands zur Weltmacht endete mit der totalen Niederlage und der Bilanz von mehr als 40 Millionen Opfern – 30 Mio. Sowjetbürger, 6 Mio. Polen, 2 Mio. Jugoslawen, 500 000 Tschechoslowaken. Davon waren 5 Mio. Juden, zu denen noch 1,3 Mio. deportierter Juden und 500 000 Sinti und Roma gerechnet werden müssen. Schon 1946 lagen zwei Abhandlungen zur Schuldfrage vor: Karl Jaspers sah die politische Schuld aller Deutschen darin, 1932/33 zugelassen zu haben, »daß ein solches Regime bei uns entstanden ist«. Hannah Arendt konstatierte ab 1940/41 den Zustand einer »totalen Komplizenschaft des deutschen Volkes« und sprach von einer »›Volksgemeinschaft‹ des Verbrechens«. Aber die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft hat diese Diagnoseangebote negiert und sich für eine Politik der Amnestie und Amnesie entschieden. Die 1949 gegründete BRD integrierte die Mehrheit der NS-Eliten in den neuen Staat und ließ alle in Nürnberg verurteilten Kriegsverbrecher frei. Die Überlebenden der »Volksgemeinschaft« sorgten dafür, dass die Geschichte der NS-Zeit abgespalten und die Schuld Anderen zuwiesen wurde – »Hitler war’s«. Mitte der fünfziger Jahre waren die Westdeutschen sogar überzeugt, dass sie durch den Krieg und dessen Folgen selber zu Opfern geworden waren. Gegen dieses Gesichtsbild konnte sich die Wahrheit nur in Form ununterbrochener Tabubrüche durchsetzen. Die Reihe wird zehn Fälle aus dieser 60jährigen Skandalgeschichte präsentieren.

Hannes Heer, Jahrgang 1941:
Nach dem Studium der Geschichte und Literatur Tätigkeit als Rundfunktautor, Theaterdramaturg, Dokumentarfilmer für ARD/ZDF und Ausstellungskurator, u. a.: »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944« (1995-1999) und »Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der Juden aus der Oper 1933 bis 1945« (2006-2012). Die Fallstudie zu den Bayreuther Festspielen steht auf dem Festspielhügel als Open-Air-Installation. Hannes Herr hat zahlreiche Publikationen zu Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegserinnerung verfasst und ist Träger der Carl-von Ossietzky-Medaille.

Eintritt frei, begrenzte Platzzahl. Bitte holen Sie sich eine Freikarte über die Urania-Homepage oder die Urania-Kasse. Online zzgl. Systemgebühr.

Gefördert durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ (EVZ)
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